Grete's Erinnerungen
an unseren Vater


Als ich 7 und Hans 8 Jahre alt waren hat Vati jedem von uns einen Drachen gebastelt und wir sind damit zum Lorberg marschiert um sie fliegen zu lassen.

Ratet wer den meisten Spass hatte die Dinger in die Luft zu bringen.

Vati hatte auch einen grossen Garten am Lorberg wir sind dort mit dem Fahrrad hingefahren. Es war ziemlich anstrengend denn es ging den ganzen Weg bergauf.

Ich kann mich daran errinnern das Vati einmal als Santa Claus an Weihnachten auftrat. Er hatte einen Kaffeekannenwaermer auf dem Kopf den er von innen nach aussen gedreht hatte. Es war sehr lustig.

Er hat für mich zu Weihnachten das schönste Puppenhaus gebaut. Die Möbel waren alle dieselben wie unsere Eltern sie hatten. Er hat alles nachgebastelt, das muss sehr viel Arbeit gewesen sein. Hans bekam zur selben Zeit einen Bauernhof. Unser Vati hatte viel Talent.

Als ich neun Jahre alt wurde wollte ich unbedingt ein Fahrrad. Da hat user Vati all die nötigen Teile zusammen gesammelt und mir ein Fahrrad gebaut.

Unser Vati hatte Tiere sehr gerne und brachte eines Tages ein Eichhörnchen nach Hause. Er hat einen Käfig für das Tierchen gebaut und das Eichhörnchen hing in seinem schönen Käfig auf dem Balkon.

Das Eichhörnchen war aber nicht glücklich und hat uns jedesmal angepinkelt wenn wir rauskamen. Es hat nicht lange gedauert und Vati hat ihn wieder frei gesetzt.

Wir hatten zu der Zeit gerade Besuch von Opa Klöker.

Kurz danach wurde user Vati zum Militär eingezogen. Wenn er nach Hause kam an Furlough habe ich ihn nur bewundert, denn er sah so toll in seiner schönen Uniform aus.

Vati war sich des guten Aussehens auch bewusst und wenn wir Freunde von unseren Eltern besucht haben hat Vati uns immer mit der Mutti eine Stassenbahn früher geschickt, zu der Zeit wohnten wir noch in der Egenolf Strasse in Franfurt.

Jetzt springe ich vorwärts nach Dinkelscherben, nachdem unser Vati von dem Krieg wieder zurück kam. Ich werde nie vergessen als wir alle zu einem Tanz beim Maischberger gingen. Ich glaube es war zur Faschingszeit.

Ich habe mit einem jungen Mann getanzt und Vati war garnicht davon begeistert wie der mich ein bischen zu enge gegehalten hat. Da ist mein Vater aufgestanden und hat zu dem jungen Mann gesagt "Ein bischen zuviel Tuchfühlung", dann ist er wieder auf seinen Platz zurück gegangen. Ich wäre am liebsten in die Erde versunken.

Jetzt zurück nach Frankfurt. Es hat nicht lange gedauert und das Arbeitsamt hat einen job für mich gefunden. Es war als eine Kassiererin in einem Kino und meistens nur abends. Ich fuhr mit der Strassenbahn hin und her und eines abends ist mir jemand hinterher gelaufen und hat mich dauerend doof angesprochen. Ich bekam so eine Angst das ich in Tränen nach Hause kam. Am nähsten Tag hat unser Vati mir einen gefährlich aussehenden Regenschirm geschenkt und gesagt, benutze den Schirm wenn jemand zu nahe kommt. Ich fand das so lieb, und das war nicht alles, Vati kam oft und hat mich abends nach der Arbeit von dem Kino abgeholt.

Ich bin dann mit Les, den ich in Frankfurt geheiratet habe, nach Amerika ausgewandert.

Vati und Mutti haben uns dort besucht. Wir hatten Karten für die "Grand Ole Opry" in Nashville. Wir hatten einen kleinen Wohnwagen zu der Zeit und sind damit losgefahren. Vati und Mutti hat es sehr gut gefallen und sie haben sogar eine Schallplatte von der Vorführung gekauft.

Vati hat noch lange davon gesprochen. Meine Kinder waren von Opa begeistert. Er ist gerne in die Stadt gelaufen und kam immer mit Bonbons zurück.

Eines Tage hat Vati dem Les geholfen einen Zaun um unser Grundstück zu bauen und ausgerechnet kam unser Nachbar zu dieser Zeit auf die Idee auf ein paar Chipmunks zu schiessen. Ich habe in meinem ganzen Leben meinen Vater nicht so verärgert gesehen. Das traurige war nur das der Nachbar nichts verstehen konnte, denn Vati hat lange und laut auf Deutsch geschimpft.

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